Trinkwasserschutz durch Bau einer Aktivkohle-Anlage

Zum Schutz des Trinkwassers: Stadtwerke bauen Aktivkohle-Anlage

BURGLENGENFELD. Der Verwaltungsrat der Stadtwerke hat sich für den Bau einer Aktivkohle-Anlage in der Wasserversorgung ausgesprochen. Die Kosten für die Anlage belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth betonte, es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme auf Anraten der Fachstellen. „Nach wie vor gilt: Das Trinkwasser, das aus unseren drei Brunnen im Waldgebiet Raffa kommt, bedarf keiner Aufbereitung und kann direkt und ohne Zusätze an die Verbraucher abgegeben werden.“

 Das Trinkwasser für Burglengenfeld und die Gemeinde Holzheim am Forst kommt aus drei Brunnen (Brunnen III, IV und V), die alle im Forstgebiet Raffa liegen. Die Förderung des Trinkwassers erfolgt immer aus zwei Brunnen gleichzeitig, die gemeinsam laufen. Die Wässer treffen sich dann im so genannten Mischbauwerk in der Nähe des Kunstwaldgartens, von dem aus sie in die Leitungen Richtung Burglengenfeld und Holzheim am Forst  gepumpt werden. Wichtig für die Verbraucher: „Die Wasserqualität ist sehr gut und entspricht in allen Belangen den strengen gesetzlichen Anforderungen an Trinkwasser“, betont Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth.

 Dennoch: Wassergewinnung in offenen Karstgebieten hat oft einen unzureichenden natürlichen Schutz (siehe „Hintergrund“). Das Wassereinzugsgebiet Burglengenfelds ist Teil des Gesamteinzugsgebietes des Jurakarsts. Karstgebiete gelten in der Fachwelt als „besonders grundwassersensibel“.

 Der renommierte Hydrologe Dr. Karl-Heinz Prösl, mit dem die Stadtwerke seit Jahren zusammenarbeiten, hat nun ebenso wie das Wasserwirtschaftsamt Weiden zum Bau einer Aktivkohle-Anlage geraten. Dies sei eine Maßnahme, die notwendig ist, um im Falle einer Gefährdung gewappnet zu sein. Sollte eine Behandlung des Trinkwassers nötig sein, wird das im Mischbauwerk ankommende Wasser über den Umweg durch die Aktivkohle-Anlage ins Leitungsnetz eingespeist. Schadstoffe würden so aus dem Wasser gefiltert, damit es bedenkenlos getrunken und verwendet werden kann.

 „Trinkwasser ist unser höchstes Gut, unser wichtigstes Lebensmittel. Es muss daher auch entsprechend geschützt werden“, so Gluth. Und das ist nicht billig. Die Stadtwerke rechnen mit Kosten von rund 1,1 Millionen Euro für die Aktivkohle-Anlage. Für die Finanzierung werden laut Beschluss des Verwaltungsrats der Stadtwerke sogenannte Ergänzungsbeiträge von den Verbrauchern erhoben. Nach einer überschlägigen Berechnung der Verwaltung sind dies voraussichtlich einmalig 250 bis 350 Euro (ausgehend von einer Grundstücksgröße von rund 800 Quadratmetern und einer Wohnfläche von rund 160 Quadratmetern).

 Nach dem aktuellen Stand der Planungen werden entsprechende Vorauszahlungsbescheide im Jahr 2017 verschickt. Der dann im Vorauszahlungsbescheid genannte Betrag wird auch der endgültig zu zahlende Betrag sein. Es ist dann also nicht mit weiteren Zahlungen für dieses Bauprojekt zu rechnen.

  Friedrich Gluth betonte auch bei einem Termin mit dem Verwaltungsrat am Mischbauwerk, dass der Bau der Aktivkohle-Anlage eine reine Vorsichtsmaßnahme sei. Handlungsbedarf bestehe unter anderem, da viele auch überregional bedeutsame Straßen wie die frühere B15 (jetzt: Staatsstraße 2397) das Wasserschutzgebiet durchziehen. Zudem liegen darin viele landwirtschaftlich genutzten Flächen.

 Hintergrund: Aktivkohleaufbereitung in Karstgebieten

 Wassergewinnungen in offenen Karstgebieten haben oft einen unzureichenden natürlichen Schutz. Der Karstgrundwasserleiter ist häufig nur durch geringmächtige Deckschichten geschützt oder hat gar keine schützende Auflage. Über Klüfte im Gestein oder Dolinen kann Niederschlags- und Oberflächenwasser schnell ins Grundwasser gelangen. Schadstoffe von der Oberfläche können so auf schnellem Weg ins Grundwasser eingetragen werden. Durch eine grundwasserschonende Bewirtschaftung/Flächennutzung in den Einzugsgebieten der Trinkwassergewinnungen kann die Gefahr des Schadstoffeintrags vermindert werden. Aufgrund der meist großen Einzugsgebiete mit unterschiedlichster Flächennutzung (Siedlungen, Landwirtschaft, etc.) kann dies jedoch nicht flächendeckend kontrolliert/beherrscht werden. Daher ist in offenen Karstgebieten ein zusätzlicher Schutz durch eine Aktivkohleaufbereitung zu empfehlen. Aktivkohleaufbereitungen werden in der Trinkwassergewinnung eingesetzt, um diverse unerwünschte organische Substanzen wie Pflanzenschutzmittel (Terbuthylazin, Atrazin, etc.) oder Kohlenwasserstoffe (Benzin, Diesel, etc.) aus dem Wasser zu entfernen. Die Aktivkohleaufbereitung bietet so eine Art Sicherheitsnetz, durch das eine relativ große Bandbreite von Schadstoffen vor der Abgabe an den Verbraucher aus dem Trinkwasser herausgefiltert werden kann.

 Infos im Internet: www.stadtwerke-burglengenfeld.de/unternehmen/wasserversorgung/

Datum: 28.09.2016